Die Geschichte der Schützengesellschaft Wüstenselbitz 1849 e.V.
 
Im Jahre 1849 fanden sich Bürger der Gemeinde Wüstenselbitz zusammen und gründeten die Schützengesellschaft Wüstenselbitz. Das schießen mit Vorderladergewehren auf den laufenden Hirschen und auf die Rennscheibe war in Wüstenselbitz schon eine uralte Tradition. Wann zum ersten Mal auf den lebensgroßen hölzernen Hirschen geschossen wurde, lässt sich heut nicht mehr feststellen. Man erzählt sich, dass schon vor Jahrhunderten die damaligen Landesherren, die Vögte von Weida und später die Markgrafen von Nürnberg auf dem nahen „Kamm“ und dem Kriegswald zur Hirschenjagd gingen. Sicher diente der hölzerne Hirsch als Übungsobjekt für das jagdliche Trainingsschießen. Die Bürger von Wüstenselbitz pflegten diesen alten Brauch durch die Jahrhunderte weiter und veranstalteten jedes Jahr im Juli am Fuße des Reußenberges ihr traditionelles Hirschenschießen. Mit der Gründung des Schützengesellschaft Wüstenselbitz wurde also der Schießsport in Wüstenselbitz nicht neu eingeführt, man hat nur diesem alten Brauch einen festen Rahmen gegeben. Die Anmeldung beim königlich-bayerischen Landgericht in Münchberg erfolgte im Jahr 1856. Damit war der Verein von Amts wegen auch als Schützengesellschaft mit ordentlichen Statuten und mit einer den königlich-bayerischen Vorschriften entsprechenden Schießordnung anerkannt.
 
Das erste Protokollbuch der Schützengesellschaft Wüstenselbitz ging mit der Besetzung der Ortschaft durch die Amerikaner im Jahre 1945 verloren.
Vom Jahr 1890 an liegen wieder die Protokollbücher vor und alle Versammlungen und wichtigen Vereinsangelegenheiten sind ausführlich schriftlich festgehalten.
 
In den Jahren nach der Gründung entwickelte sich für die damaligen Verhältnisse eine rege Tätigkeit. So wurde im Jahre 1871 das hölzerne Schießhaus mit dem Hirschenstand, den Büchsen- und Rennscheibenständen gebaut. 1874 wurde die jetzt noch erhaltene Fahne gestiftet.
 
Im Jahre 1895 wurde das Schießen zum ersten Mal am letzten Juni Wochenende abgehalten.
 
Im Jahre 1899 feierte die Schützengesellschaft ihr 50jähriges Bestehen mit einem Jubiläumsschießen.
 
1901 wurde beschlossen ein eigenes Schützenlokal für gesellschaftliche Zwecke zu errichten. Der Kostenvoranschlag lag um die 12.000 Mark.
 
Im Jahre 1903 erfolgte der Beitritt zum „Oberfränkischen Schützenbund“. Erstmals spielte zum Schützenfest eine „Leugaster Kapelle“.
 
1906 wurde ein Antrag gestellt, auf den Schießständen ein „Läutwerk und Telefon“ einzurichten. In diesem Jahr wurde auch das heute noch teilweise vorhandene Vereinsabzeichen angeschafft.
 
Die Beschaffung einer eigenen Zirkelmaschine stand im Februar 1914 auf der Tagesordnung der Generalversammlung. Im Kriegsjahr 1914 spendete der Verein 150 Mark zur Unterstützung des Roten Kreuzes.
 
1916 erwarb der Verein für 1.300 Mark Kriegsanleihen.
 
Das erste „kleine Volksfest ohne Schießen“ fand im August 1916 statt.
 
Am letzten Juli-Wochenende 1921 fand dann erstmals nach dem Krieg wieder ein Schützenfest statt. Die folgenden Jahre waren von der Inflation geprägt.
 
Vom 3.-5. August 1924 feierte die Schützengesellschaft 75jähriges Jubiläum. Die Preise hatten sich zwischenzeitlich normalisiert.
 
Im Jahre 1932 wurde beschlossen, das Schießen mit Kleinkalibergewehren einzuführen und dafür einen Stand und eine Anzeigerdeckung zu bauen.
 
Der 22. April 1934 war ein wichtiger Tag für die Schützengesellschaft Wüstenselbitz. Die Mitglieder des „Zimmerstutzen-Schützen-Vereins“ wurden mit gleichen Rechten und Pflichten wie Stammmitglieder in die Schützengesellschaft aufgenommen. Das Inventar des Zimmestutzen-Schützen-Vereins ging in den Besitz der Schützengesellschaft Wüstenselbitz über. Mit dem Inventar wurden auch eine Fahne und ein Königskette übernommen. Die Kette war eine Stiftung von Friseurmeister Gustav Rauh, dem Großvater unseres Vereinsmitgliedes (derzeitigen Vorstand) Hans-Peter Rauh.
In diesem Jahr wurden auch Ausbauarbeiten am Schießstand durchgeführt. Die Seiten- und Höhenblenden mussten erneuert und der Kugelfang repariert werden. Auch ein Kleinkaliberstand kam dazu und der Hirschenstand musste durch eine Umzäunung gesichert werden. Das ganze finanzierte sich über ein Darlehen und Anteilscheine.
 
Erstmalig wurde im Juli 1938 ein Festkommers im Bierzelt abgehalten. Festmusik war damals die „Wehrmachtskapelle Hof“.
 
Zum Schützenfest 1939 spielte die „Bayreuther Militärmusik“. Am Festsonntagabend wurden die Musiker zurückbeordert. Der 2. Weltkrieg bahnte sich an.
 
Im Juli 1940 fand die letzte Versammlung in der Kriegszeit statt.
 
Das nächste Protokoll stammt vom 11. September 1948; an diesem Tag fand die erste Generalversammlung nach dem Krieg statt mit nur 28 Mitgliedern.
Alle erforderlichen Schritte wurden getan um die Vereinstätigkeit wieder aufnehmen zu können. Zur 100-Jahr-Feier 1949 sollten alle Voraussetzungen gegeben sein um wieder ein Schützen- und Volksfest abhalten zu können.
 
1949: „100-Jahr-Feier“ !
Samstag: Kommers im Bierzelt
Sonntag: Festzug. Abends großer Festball im „Taubenreutherischen Saale“.
Montag: Wiesenfest der Schuljugend.
Es spielte an allen Tagen wieder die „Regimentsmusik Bayreuth“.
Endlich gab es auch wieder zwölfprozentiges Bier!
 
1950/51 erfolgte ein Um- und Ausbau des Schießhauses (WC-Anlage) mit Schießstand. Die Finanzierung sollte entweder über die Brauerei Hegner (Münchberg) oder über die Mönchsbrau AG (Helmbrechts) erfolgen. In geheimer Abstimmung sprach sich die Versammlung für die Helmbrechtser Brauerei aus.
Bereits ein Jahr später brannte das Schützenhaus größtenteils ab. Es wurde sofort mit einem Neubau begonnen, der bereits zum Schützenfest 1953 eingeweiht werden konnte. Die Baukosten beliefen sich auf 49.500 DM. Die äußere Form ist bis heute erhalten.
Mit Herrn Fiederer bestand 1951 ein Pachtvertrag unter der Bezeichnung „Café Schützenhaus“. Nach dem Brand wurde die neue Gaststätte von Frau Schübel übernommen.
 
1954 gab es in unserem Verein die erste Jungschützengruppe. In diesem Jahr wurde auch die erste Gauversammlung in Wüstenselbitz abgehalten.
 
Im Jahr 1955 wurde auf Anregung interessierter Schützen beschlossen, das Schießen mit Vorderladern auf den laufenden Hirschen wieder einzuführen. Die Wüstenselbitzer Hirschenschützen waren damit nach 16jähriger Unterbrechung der erste Verein, der nach dem 2. Weltkrieg mit dem Vorderladerschießen neu begonnen hat. Vor dem Krieg wurde der Hirschenkönig mit einem Königsorden ausgezeichnet. Schützenbruder Gustav Ultsch (früher Zahnarzt in Wüstenselbitz) stiftete für den Hirschenkönig eine neue Königskette, die von ihm selbst entworfen und gegossen wurde.
 
Das Schießen mit der Luftpistole wurde 1959 eingeführt. Wüstenselbitz ist hier einer der ersten Vereine für die Schießdisziplin.
 
Im Jahre 1962 begannen die Rundenwettkämpfe. Die Schützengesellschaft Wüstenselbitz beteiligte sich mit 2 Mannschaften in der A-Klasse. Nach Beendigung stieg die 1. Mannschaft auf.
 
1958 wurde der Schützenhausvorplatz angeschüttet und planiert.
 
1960 beträgt die Mitgliederstärke inzwischen 135 Mann. Nachdem die Familie Bauer einige Jahre Pächter des Schützenhauses war, konnte als neuer Schützenhauswirt die Familie Lindner aus Münchberg gewonnen werden.
 
Für das Jahr 1961 waren die Kanalisationsarbeiten an der Reihe. Die Rohre mussten über den ganzen Platz bis zur Straße verlegt werden.
 
1962 war es möglich durch die bereits erbaute Kanalisation im Vorjahr auch die längst geplante Wasserspülung einzubauen. In diesem Jahr begannen die Rundenwettkämpfe wieder und die Schützengesellschaft Wüstenselbitz beteiligte sich erneut mit 2 Mannschaften in der A-Klasse.
 
Im Jahr 1963 wurde neben dem Schützenfest, dem Nachschießen, den Preisverteilungen und Faschingsveranstaltungen ein 2-Tages-Ausflug nach Volkach durchgeführt, der allen Beteiligten noch heute in Erinnerung sein wird.
 
1964 war es unbedingt erforderlich geworden den Schießplatz wieder mit einem Drahtzaun zu umgeben. Neue einheitliche Schützenuniformen wurden angeschafft. Außerdem wurden auch in diesem Jahr –wie in den vorausgegangen Jahren schon- verschiedene Grundstückskäufe getätigt. Damit wurden neue Möglichkeiten für sportliche Zwecke gegeben und Raum für Parkplätze und Festplatzerweiterung geschaffen.
 
1965 wurde auf mehreren Ausschusssitzungen die Frage einer Erneuerung der Schießanlage auf den Hirschen und die Erstellung von Kleinkaliber- und Pistolenständen ausführlich diskutiert und den Mitgliedern bei der Generalversammlung 1966 erstmals vorgestellt. Es wurde ein Bauausschuss eingesetzt und beschlossen, die Angelegenheit auf einer außerordentlichen Generalversammlung zu beschließen. Diese fand im April 1966 statt.
 
Auf Antrag von Helmut Peetz wurde die Abholung des Hirschenkönigs seit 1967 auf den Samstag verlegt. Bisher wurden beide Könige am Sonntag vor dem Festzug abgeholt.
 
Im Jahr 1969 konnte nach Beendigung der Neubaumaßnahme auch die Installation der Kleinkaliberstände mit Zuganlage und der Pistolen-Drehscheibenanlage erfolgen.
Mit großer Mehrheit sprachen sich die Versammlungsteilnehmer (der Verein hatte zu der Zeit 180 Mitglieder) in einer geheimen Abstimmung für den Neubau aus, der in den folgenden Jahren, größtenteils durch Eigenleistung, fertig gestellt wurde.
 
Durch die neuen Räume und Anlagen gestaltete sich das Schützenfest 1970 zu einem Höhepunkt in der Vereinsgeschichte. Für den Wiesenfest-Montag konnte das bekannte „Oberkrainer Sextett“ für einen Abend im Bierzelt verpflichtet werden. Diese Veranstaltung war wohl die erste dieser Art in unserer engeren Heimat und muss als ein ganz besonderer Erfolgt verzeichnet werden.
Durch Vermittlung der Brauerei konnten Horst und Maria Sebald aus Wanne-Eickel als neue Schützenhauspächter gewonnen werden. Um die Pächterfrage möglichst für längere Zeit zu klären, wurde deshalb auch beschlossen, sofort mit den Renovierungsarbeiten des Gastraumes zu beginnen. Neben einer neuen Zentralheizung und neuem Fußboden wurde auch eine attraktive Theke eingeplant. Im Hinblick auf den Fremdenverkehr wurde als weitere Baumaßnahme der Ausbau des Obergeschosses mit Fremdenzimmern, Bad und WC vorgeschlagen und von der Generalversammlung beschlossen. Seit diesem Umbau heißt die Gaststätte „Birkenhof“.
 
1972 konnte erstmals eine größere Damenbeteiligung beim bisher nur für männliche Mitglieder vorbehaltenen Hirschenessen verzeichnet werden.
 
Im Jahr 1973 wurde im Hinblick auf das 125jährige Jubiläum im folgenden Jahr, die Terrasse vor dem Schützenhaus und die Garagenanlage gebaut.
In einer außerordentlichen Generalversammlung beschloss die Schützengesellschaft auch noch die Teerung des Parkplatzes.
Der Bau der neuen scharfen Schießanlage brachte dem Verein einen starken Mitgliederzuwachs.
Besonders aus den Reihen der heranwachsenden Jungend waren viele Neuzugänge zu verbuchen.
 
251 Mitglieder konnte die Schützengesellschaft 1974 vorweisen.
Die 125-Jahr-Feier war ein Bekenntnis zum Schießsport. Eine Festschrift mit Geschichte der SGW, sowie Orts- und Vereinschroniken wurden erstellt. Bedingt durch die Fußball WM in Deutschland verlief das Fest nur zufriedenstellend. Festmusik an 3 Tagen war die ehem. 42er Infanterie-Regimentskapelle Bayreuth. Den Festkommers am Samstag gestaltete der Gesangverein Wüstenselbitz neben verschiedenen Rednern aus. Am Sonntag gastierten die „Original Nernbercher Peterlesboum“ bei freiem Eintritt.
 
Das Pächterehepaar Sebald verließ 1976 Wüstenselbitz um ein größeres Haus zu übernehmen. Als Nachfolger konnten Anita und Gerhard Göhringer aus Wüstenselbitz vorgestellt werden. Die Gelegenheit wurde genutzt, um die Küche und die Wirtschaftsräume zu renovieren.
Bei der Generalversammlung im März stand zum ersten Mal die Frage nach einem überdachten Luftgewehrstand auf der Tagesordnung. Bis dahin standen die Schützen im jetzigen hinteren Gastzimmer und schossen ins Freie, was bei schönem Wetter eine wunderbare Sache war und ist. Leider spielt die Witterung im Frankenwald selten mit und so war dieses Thema durchaus eine Diskussion wert. Die Entscheidung wurde vertagt.
 
Zunächst beschloss die Hauptversammlung 1977 die Anschaffung von sechs neuen halbautomatischen Zugständen für die Luftgewehranlage.
Hirschen- und Kleinkaliberstand erhielten einen neuen Fliesenboden, der von Hirschenkönig Arthur Höhn gestiftet wurde und gemeinsam mit anderen Mitgliedern verlegt wurde.
Die Unterteilung von Hirschen- und Pistolenstand, sowie die Beschilderung wurden von Schützenbruder Rudolf Neubert ausgeführt und gestaltet.
 
1978 übernahm zum ersten Mal die Schaustellerfamilie Treubel mit ihrem Vergnügungspark den Festplatz. Sie hatte auch ein Auto-Skooter dabei, was nicht nur für die Jugend damals eine tolle Sache war.
Im Herbst hat der 1. Vorstand Richard Rausch in Erfahrung gebracht, dass es für Baumaßnahmen an Sportstätten hohe Zuschüsse vom Staat gibt. Der Beirat beschloss deshalb einstimmig, schnellstens Pläne für die Erweiterung des Schießstandes zu erstellen und Mittel zu beantragen. Es sollten auch WC-Anlagen für das Fest und Geräteräume gebaut werden.
 
Im Jahr 1979 lagen diese Pläne dann vor. Es wurde zu dieser Zeit aber auch noch ein anderes Thema diskutiert. Im Laufe der Zeit hatten sich die Kosten, die beide Könige bei Hirschenessen und Abholung zu tragen hatten, so verteuert, dass sich mancher Schütze bei einem guten Blättla schon überlegte, ob er es zirkeln lassen soll oder nicht. Deshalb regte der 1. Vorstand an, eine neue Ordnung auszuarbeiten, um die Aufwendungen überschaubarer zu machen. Dies ist dann auch geschehen und wird seither praktiziert.
Bei der Generalversammlung stand neben den üblichen Punkten, wie Berichte des Vorstandes, des Kassiers, der Schützenmeister, Neuwahlen, Ehrungen usw. auch das Bauvorhaben auf der Tagesordnung. Zum ersten Mal stand auch eine Summe von ca. 400.000 DM zur Debatte. Außerdem war auf Wunsch einiger Mitglieder auch eine zweibahnige Kegelbahn mit eingeplant.
Auf der letzten Seite des dritten Protokollbuches findet sich auch zum ersten Mal der Hinweis, dass am Schützenhaus eine „Sau“ gegrillt wird. Dieses ganztägige Prozedere des Saugrillens darf in der Chronik nicht fehlen. Es wird bei den Schützen seit Ende der 60er Jahre immer wieder zu besonderen Anlässen oder auch einfach so durchgeführt. Unser Obergrillmeister „Nikl“ Sesselmann mit seiner Mannschaft sei hier besonders erwähnt.
 
Bei der Jahreshauptversammlung 1980 konnte 1. Vorstand Richard Rausch, sicherlich nicht ohne Stolz, bereichten, dass der Verein schuldenfrei ist.
Das geplante Bauvorhaben erläuterte 2. Vorstand Helmut Peetz ausführlich. Die mittlerweile gefertigten Pläne konnten allerdings nicht akzeptiert werden, weil die Bausumme um das Doppelte überzogen worden war. Deshalb wurde die Ausarbeitung neuer Pläne notwendig und ein anderer Planfertiger beauftragt. Die geschätzten Kosten betrugen nun schon ca. 500.000 DM. Einig war man sich, dass im Zuge des Baues auch das Dach des Schützenhauses neu gedeckt, die Heizungsanlage ersetzt und der alte Luftgewehrstand ausgebaut werden sollte.
Nicht so ganz einverstanden waren einige Mitglieder mit dem Bau einer Kegelbahn und der erforderlichen Gründung einer Kegelabteilung. Die Gründung allein genügte auch nicht. Der Verein wurde durch die Zuschußbestimmungen verpflichtet, 15 oder 20 Jahre mit einer Mannschaft an Wettkämpfen teilzunehmen. Schließlich erklärten noch in dieser Versammlung 15 Vereinsmitglieder ihre Bereitschaft, einer zu gründenden Kegelabteilung beizutreten.
 
Die erste Mitgliederversammlung mit dieser Kegelabteilung fand im Januar 1981 statt. Es waren 15 Gründungsmitglieder anwesend. Als 1. Vorstand wurde Gerald Hölzel gewählt.
Bei der Generalversammlung in diesem Jahr musste der 1. Vorstand bekannt geben, dass ein Pächterwechsel bevorsteht. Die Fam. Göhringer hatte den Vertrag fristgerecht gekündigt. Die vorherigen Wirtsleute Sebald hatten bereits ihr Interesse bekundet wieder nach Wüstenselbitz zu kommen. Sie wollten allerdings einige Umbauten im privaten Wohnbereich und auch in der Gaststätte. Diese Verbesserungen wurden kurzerhand in die Tat umgesetzt und so konnte im Dezember 1981 der „Birkenhof“ mit Horst und Maria Sebald als Pächter neu eröffnet werden. Größtenteils in Eigenleistung wurden Decken unterstützt, Abluft- und Zuluftanlagen eingebaut und der Innenausbau erstellt. Bausumme: 120.000 DM.
 
Bis 1981 fand das Hauptschießen zeitgleich mit dem Schützenfest statt. Ab 1982 wurde dies geändert. Die Schießtage liegen nun schon im Mai, lediglich die Preisverteilung findet immer am Freitag nach dem Schützenfest statt.
Im Herbst 1982 fand ein „Tag der offenen Tür“ unter gleichzeitiger Durchführung eines Jugend-Preisschießens statt. Diese Werbung für den Verein brachte 12 Jugendliche als neue Mitglieder. Als Betreuer stellte sich Schützenmeister Dieter Söllner zur Verfügung, der diese Aufgabe, mittlerweile zusammen mit seiner Frau Erika, bis heute mit großem Engagement wahrnimmt.
 
Unser Vereinsmitglied Henning Koschitzki spendete 1983 für die Jugend eine Königskette, die seitdem Verwendung findet.
 
Beim Schützenfest 1984 wurde zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte ein ausländisches Mitglied Hirschenkönig. Harry Cooper aus England war 1966 mit einer Einheit der britischen Rheinarmee während eines Manövers in Wüstenselbitz stationiert. Bei den olympischen Spielen 1972 war er als Schiedsrichter im Wasserball tätig und kam anschließend nach Wüstenselbitz, um Bekannte zu besuchen. Dabei wurde er in die Schützengesellschaft Wüstenselbitz aufgenommen und kommt seitdem regelmäßig zur Jahreshauptversammlung und zum Schützenfest hierher.
Um das Bauvorhaben in Gang zu bringen, gab es Besprechungen mit dem Bezirksschützenmeister und dem Landtagsabgeordneten Klaus Kopka. Der Baubeginn war wieder mal in weite Ferne gerückt (ca. 3 Jahre). Es war aber in der Zwischenzeit beschlossen worden, nun doch eine Kegelbahn einzubauen. Unser Ehrenvorstand Arthur Fraas hatte mit einer großzügigen Spende die an den Einbau einer Kegelbahn gebunden war dazu beigetragen.
 
Bei der Generalversammlung 1985 wurde die Vorstandschaft um einen 3. Vorstand (Gerald Hölzel) ergänzt, der gleichzeitig Vorstand der Kegelabteilung war und Ilse Rausch als 2. Schriftführerin gewählt. Mitgliederstand: 337.
Im Dezember war es dann endlich soweit: Richard Rausch konnte anlässlich einer Vorstandssitzung feststellen, dass für das Bauvorhaben „grünes Licht“ gegeben wurde. Vor der nächsten Jahreshauptversammlung kamen der damalige Staatssekretär Dr. Georg von Waldenfels und der Landtagsabgeordnete Klaus Kopka nach Wüstenselbitz um die Zuschüsse quasi persönlich zu überbringen. Wie in den letzten Jahren stand unter Punkt 8 der Tagesordnung auch in diesem Jahr „Bauangelegenheiten“. Es wurde nochmals ausführlich über den Bau diskutiert. Einigen Mitgliedern machte die nun festgestellte Bausumme von 809.343 DM schon Sorgen. Der Verein ging damit Verpflichtungen über 20 Jahre ein. Schließlich ergab die Abstimmung eine breite Mehrheit für das Bauvorhaben.
 
Mit dem Schützenfest 1986 feierte Wüstenselbitz auch seine „600jährige erste urkundliche Erwähnung“ mit einem Festabend am Freitag im Zelt unter dem Motto „Ein Dorf stellte sich vor“. Höhepunkt war aber zweifellos der historische Festzug am Sonntag. Unter der Leitung des 1. Vorstandes der Bürgerschaft Wüstenselbitz e.V. Gerald Hölzel beteiligten sich alle Ortsvereine entweder mit Festwagen, Marschabordnungen oder Sketcheinlagen beim Abendprogramm am Freitag. Im Gemeindehaus fand zeitgleich eine Ausstellung statt.
 
Unmittelbar nach dem Schützenfest, am 05. Juli 1986 hatten die Bauarbeiten begonnen. Bereits im Oktober konnte Richtfest gefeiert werden. In der Folgezeit mussten eine Menge Sitzungen und Besprechungen abgehalten werden, die in der Regel Bauangelegenheiten zum Inhalt hatten. Der Innenausbau des neuen Hauses wurde größtenteils von den Mitgliedern des Vereins durchgeführt.
 
Aber auch im sportlichen Bereich gab es eine Neuerung. Zusammen mit der Skiabteilung des FC Wüstenselbitz gab es im Winter 86/87 einen Biathlon. Dies wurde so durchgeführt, dass die Loipe über den Festplatz gespurt wurde und dort 10-Meter-Schießstände aufgebaut waren. An jedem Platz stand ein Luftgewehr zur Verfügung und ein Schützenmitglied als Aufsicht und evtl. Ladehilfe. Die Klappscheiben waren eine Eigenkonstruktion.
 
Nach über 10 Jahren Planungen und Warten auf Zuschüsse und nach nur 14 Monaten Bauzeit konnte am Samstag, den 28.11.1987 die neue Schießanlage eingeweiht werden. Die Einweihungsrede hielt unser 1. Vorstand Richard Rausch.
 
Der Neubau hat sich in den folgenden Jahren nicht nur im praktischen Schieß- und Kegelbetrieb ausgezeichnet bewährt. Die Einbauten in der Schießhalle sind so konstruiert, dass sie an die hintere Wand zurückgefahren werden können und so steht die Schießhalle auch anderen Vereinen im Dorf zu Verfügung. Letztlich wurden auch Toiletten für Veranstaltungen auf dem Festplatz eingebaut. Bis zur Generalversammlung 1988 war der Bau dann abgeschlossen.
Kurz vor seinem 81. Geburtstag verstarb im April 1988 unser Ehrenvorstand und Förderer des Vereins, Arthur Fraas. Ihm zu Ehren wird seither beim Hauptschießen der Arthur-Fraas-Gedächtnispokal unter den Vereinsmitgliedern ausgeschossen.
 
Im Februar 1989 fand in Wüstenselbitz die Gau-Schützen-Versammlung statt. Für diese ca.350 Teilnehmer war allerdings auch die Schießhalle zu klein und so musste diese Versammlung in der Turnhalle abgehalten werden.
 
Völlig unerwartet verstarb im November 1989 unser 1. Vorstand Richard Rausch. Er war seit 1971 in diesem Amt. Seine dynamische Art, das Vereinsleben aktiv und mit Frohsinn zu gestalten, wird vielen von uns immer in Erinnerung bleiben. Besonders in den 80er Jahren, als der Neubau immer wieder verschoben werden musste, hat er das Ziel nie aus den Augen verloren und mit großer Beharrlichkeit, viel Mühe und Zeitaufwand zum Erfolg geführt.
 
Die Hauptversammlung 1990 wählte den bisherigen zweiten Vorstand Helmut Peetz einstimmig zum 1. Vorstand und Gerald Hölzel zum 2. Vorstand. In dieser Versammlung lag auch ein Antrag eines Mitglieds vor, die Lärmbelästigung aus dem Großkaliber- und Vorderladerschießstand irgendwie in den Griff zu bekommen. Über dieses Thema wurde in Ausschüssen und bei den Vorderladerschützen schon seit mehreren Jahren diskutiert. Es ist aber tatsächlich schwierig, einen solchen scharfen Schießstand „leise“ zu machen. Es zeichneten sich Aufwendungen ab, die nicht zu finanzieren gewesen wären.
 
Die Wende von 1989 machte sich auch bei den Schützen bemerkbar. So spielten zum Schützenfest 1990 zwei Kapellen aus Neuwürschnitz im Erzgebirge. Zum 30jährigen Jubiläum des „Jugendblasorchesters Neuwürschnitz“ besuchte eine Abordnung der Schützengesellschaft im Juni 1991 diese Gemeinde im Erzgebirge. Seit 1992 besteht auch Kontakt zu den Plauener Großkaliber-Schützen. Diese hatten keinen eigenen Schießstand und benutzten deshalb bis zur Fertigstellung ihres Standes unseren mit. Es traten unserem Verein vorübergehend 41 neue Mitglieder aus Plauen und Umgebung bei.
 
Am 29. September 1990 veranstaltete die Schützengesellschaft einen „Tag der offenen Tür“. Es war eine Werbeveranstaltung, begleitet von einer Sonderbeilage in der Frankenpost und allerlei Angeboten am Schießstand. Leider war die Beteiligung nicht wie erhofft. Der Reinerlös war für den seit September 1990 in der Hoffmanns-Villa neu eingerichteten Kindergarten bestimmt.
 
In den Beirats- und Vorstandssitzungen in den Jahren 1990/91 dominierte das Thema „Schalldämmung“. Es wurden verschiedene Möglichkeiten erörtert. Einige Schützenmitglieder besichtigten auch andere Schießanlagen, um sich zu informieren, wie dieses Problem zu lösen sei. Auch Lärmschutzfachleute betrachteten unseren Schießstand und berieten die Verantwortlichen entsprechend.
 
Notwendige Baumaßnahmen dürfen in einem Verein nicht dazu führen, dass der eigentliche Zweck – bei uns das sportliche Schießen und Kegeln – in den Hintergrund gerät. Das dies in Wüstenselbitz nicht so ist, soll anhand der Schützenmeisterberichte anlässlich der Hauptversammlung 1991 beispielhaft dargestellt werden:
 
- An den Rundenwettkämpfen in den Disziplinen Sportpistole, Luftpistole und Luftgewehr nahmen 8 Mannschaften teil
- Die Vorderladerschützen beteiligten sich mit einer Mannschaft am Rundenwettkampf „Perkussionsgewehr“ und mit
  19 Einzel- und 3 Mannschaftsmeldungen an der Gaumeisterschaft
- Unsere Schüler, Jugendlichen und Junioren nahmen an den Gaumeisterschaften, an 3 Pokalschießen, an den   
  Jahrgangsmeisterschaften und an einem Jugendvergleichsschießen teil. Sie besuchten außerdem noch 23
  auswärtige Schießen
- In der Disziplin Luftpistole konnte auch eine Damenmannschaft zu Gau- und Bezirksmeisterschaft sowie für den
  Rundenwettkampf gemeldet werden.
- Die Kegelmannschaft beteiligte sich an den entsprechenden Wettkämpfen.
 
 
Auch in den Disziplinen ist der Schießsport ständigen Neuerungen unterworfen. So gibt es seit 1992 eine „Schnellfeuer-Luftpistole“. Dabei werden vier Mal fünf Schuß in je 10 Sekunden geschossen. Die erste Gaumeisterschaft in dieser Schießart fand in unserer Schießhalle statt.
 
Eine weitere wichtige Änderung ergab sich 1992 im Gaststättenbereich. Der Vertrag mit der Reichelbräu endete am 31.12.92. Nach langwierigen Verhandlungen kam ein neuer Vertrag mit der Zeltbräu in Hof zustande. So ein Brauereiwechsel ist ja für Stammgäste eines Lokals nicht immer ganz einfach zu verkraften, aber es hat sich gezeigt, dass auch die Zeltbräu ein Bier braut, welches den Gästen gut mundet.
 
Am Schützenfestsonntag 1992 fand der Festzug ohne „Hirsch“ statt. Dies wurde vom 1. Vorstand in der Hauptversammlung am 14. März 1993 folgendermaßen kommentiert:
 
Am Sonntag ging’s dann nach Unfriedsdorf zu unserem Hirschenkönig Christian Baier. Dort war es so schön, dass durch einen verspäteten, hektischen Aufbruch der Festzug ohne Hirsch stattfand.
 
Na ja, einige Wüstenselbitzer haben sich schon gewundert.
 
Zwischenzeitlich war auch ein Plan für die Baumaßnahmen zur Schalldämmung angefertigt und Zuschußanträge gestellt worden. Über die Ausführung der Baumaßnahmen gab es in der Generalversammlung aber noch heftige Debatten.
 
Am 24. April 1993 feierte unsere Kegelmannschaft die Meisterschaft in der B-Klasse Hof. Nach nur vier Runden (Jahren) gelang der Aufstieg in die nächsthöhere Klasse.
 
Im Jahre 1993 verstarb unser Birkenhof-Wirt Horst Sebald. Maria Sebald führte die Gaststätte noch bis Anfang 1995 weiter. Am 01. Februar übernahm dann der neue Pächter Klaus Ott das „Schießhaus“.
 
Die Jahre 1995 und 1996 waren wieder einmal von Bauarbeiten geprägt, diesmal wie geplant an den „scharfen“ oder vielleicht besser „lauten“ Schießständen. Die Arbeiten wurden größtenteils von den Schwarzpulver- und Großkaliberschützen in Eigenregie durchgeführt. Eine wirklich großartige Leistung. Am 11. Mai 1996 konnte der Schießbetrieb wieder aufgenommen werden.
 
Für die nächsten Jahre ist noch der Anbau einer halb unterirdischen Pistolenschießanlage geplant. Die oben geschilderten Umbauarbeiten wurden deshalb gleich so gestaltet, dass die Versorgungseinrichtungen, wie z. B. die Heizungs- und Lüftungsanlage, für diese Halle verwendet werden können.
 
Die Schützenkegler schafften 1996 den Aufstieg von der Kreisklasse A in die Kreisklasse Hof.
 
Am 02. März 1997 fand die Jahreshauptversammlung statt. Unser 1. Vorstand hatte bereits einige Zeit vorher angekündigt, dass er im Hinblick auf das 150jährige Jubiläum unseres Vereins das Amt rechtzeitig an einen Jüngeren übergeben wolle. Gerald Hölzel wurde von der Versammlung zum 1. Vorstand und Peter Fehn zum 2. Vorstand gewählt.
 
Die Raiffeisenbank Wüstenselbitz feierte im Juni 1997 ihr 100jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass spielten in einem großen Festzelt auf dem Schützenfestplatz die allseits bekannten „Kastelruther Spatzen“. Nachdem das große Festzelt schon mal aufgebaut war, veranstaltete die Schützengesellschaft ein „Country- und Westernfestival“ mit Bogenschießen, Hufeisen- und Tomahawkwerfen, mit Bullriding und einer Feldschmiede. Ein Teil des Zeltes wurde über Nacht in eine ca. 30 m lange Westernbar mit entsprechender selbstgebauter Kulisse umgebaut. Leider spielte das Wetter nicht mit und so war der Besuch des Festes nicht besonders gut.
 
Bereits im Februar 1998 begannen dann die ersten Besprechungen für das nun stattfindende Jubiläum. Neben einem Westernabend am Freitag, dem großen Festumzug am Sonntag konnten als besonderes „Schmankerl“ die „Original Klostertaler“ für den Montag engagiert werden.
 
Seit der 125-Jahr-Feier 1974 hat sich der Schießsport rasant weiterentwickelt. Von der Ausrüstung der Schützen über die verwendeten Waffen bis hin zu den Auswertemöglichkeiten wird immer mehr Aufwand betrieben und die Ergebnisse dadurch verbessert. Viele Vereine haben sich zu größeren Gesellschaften zusammengeschlossen um so ihre besten Schützen für Meisterschaften in einer Mannschaft zu haben. Manche Schützen wechseln auch den Verein, um in einer höheren Klasse schießen zu können.
 
Es ist deshalb für die Schützengesellschaft Wüstenselbitz wichtig, so treue aktive wie passive Mitglieder, Freunde und Gönner zu haben, die es ermöglichen, dass der Verein in sportlicher Hinsicht selbständig bleiben konnte und auch weiterhin bleiben kann. Dafür herzlichen Dank.
 
-Fortsetzung folgt-
 
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